news vom 26.06.26

«Veränderungen zügig vorwärtsbringen»

«Leadership in Zeiten des Wandels» – das hochaktuelle Thema lockte am 24. Juni über 100 BesucherInnen zum «Baselbieter Arbeitsmarkt- und Wirtschaftsforum» nach Münchenstein. (Das BAWF wird jeweils durchgeführt von der Standortförderung Baselland.) Befragt von Moderatorin Désirée Lehmann, diskutierten Tina Müller, CEO von Weleda, sowie Miriam Baumann-Blocher vom Läckerli Huus und Nora Fehlbaum von Vitra – beide geschäftsführende Inhaberinnen – ausführlich über moderne Unternehmensführung. «Vision und Werte einer Marke bzw. Firma gilt es beizubehalten und die Produkte laufend an veränderte Kundenbedürfnisse sowie Rahmenbedingungen anzupassen.» Diesen Grundsatz leben die drei Powerfrauen. Gerade auch in Krisen müsse ein CEO Führung und Orientierung vorgeben. Für Ruedi Nützi, Experte Leadership und Unternehmenskultur FHNW, bedeutet dies vor allem, «die Arbeit zum hauptsächlichen Thema zu machen und die Belegschaft darin zu unterstützen und motivieren». Regierungsrat Thomi Jourdan schafft in seiner Verwaltung «Wirkungsraum für die Mitarbeitenden zur Mitgestaltung und Veränderung». Leadership ist für ihn «eine nicht delegierbare Verantwortung und Rollenzuteilung».

Die drei Podiums-Teilnehmerinnen konnten zum Thema Leadership aus dem «Vollen schöpfen», verfügen sie alle über langjährige Führungserfahrungen und haben bedeutende Veränderungen in ihren Unternehmen erfolgreich umgesetzt:

Miriam Baumann besitzt, führt und präsidiert seit 2007 das Läckerli Huus mit rund 150 Angestellten und Sitz in Frenkendorf. In dieser Zeit hat sie die Traditionsfirma umgebaut, innovative Produkte eingeführt und den internationalen Vertrieb deutlich ausgebaut.

Nora Fehlbaum managt seit 10 Jahren das Schweizer Familienunternehmen Vitra in 3. Generation. Sie verfolgt beim Design-Möbel-Hersteller und -Anbieter zusätzlich zur wirtschaftlichen und kulturellen eine ökologische Mission und hat den Campus (mit heute 10'000 BesucherInnen) erweitert.

Tina Müller leitet Weleda seit 2023. In rund 18 Monatenie hat sie die Marke weiterentwickelt, modernisiert und  zum Rekordumsatz geführt. Mit neuen Produkten und Pflegelinien gelang es ihr, selbst die ganz jungen Kundensegmente zu erobern und Marktanteile zu gewinnen.

Den Kern wahren und mit der Zeit gehen

Die Marke Weleda ist aus der Mission entstanden – ‘Schönheit in Einklang mit Gesundheit und Natur zu bringen’. Dieser Wert habe sich nicht verändert, während sich das Umfeld laufend wandle, etwa durch andere Inhaltsstoffe und Ideale der KonsumentInnen. Dabei gelte es, «die Grundrelevanz, den Kern der Marke zu bewahren, jedoch immer wieder den veränderten Rahmenbedingungen und Kundenwünschen anpassen», betonte Tina Müller. Gerade im Beauty-Bereich bestimmt die Generation Z und Alpha den Markt. Weleda spricht diese mit Hilfe einer Influencerin und Marketing-Kampagnen heute gezielt über Tiktok an.

Für Nora Fehlbaum ist Authenzität wesentlich. So werden bei Vitra die Möbel beispielsweise an die Grösse der Menschen angeglichen, ohne dabei den Ursprung ihres Designs zu verändern.

«Die Original Basler-Läckerli sind Teil unserer DNA. Um relevant und einzigartig zu bleiben, probieren wir auch regelmässig neue Produkte aus, nehmen aber jeweils einen Teil davon wieder aus dem Sortiment», ergänzte Miriam Baumann. Zwar gelte es, von Zeit zu Zeit Adaptionen vorzunehmen. Dazu brauche man die Firma aber gar nicht mal so stark dem Zeitgeist anzupassen und auch nicht jedem Hype zu folgen. (Der Digitalisierung und Umsetzung von KI stehen alle drei UnternehmerInnen gelassen gegenüber.)

Perspektiven und Tempo bei Transformationen

Miriam Baumann setzt bei grundsätzlichen Veränderungen im Unternehmen darauf, den Mitarbeitenden Orientierung zu geben und folgt in Zeiten des Wandels dem Grundsatz: «Entscheiden und Vorwärtsziehen, dabei die Menschen ernst zu nehmen und zu fördern.»

Moderne Führung heisst für Tina Müller, der Firma eine Perspektive und den Mitarbeitenden «Guidance» zu geben und auch Herausforderungen offen anzusprechen. Gerade in schwierigen Zeiten müsse es zügig voran gehen, waren sich die drei Unternehmerinnen einig. Für Nora Fehlbaum ist das Tempo sogar erfolgsentscheidend: «Eine Transformation, die ewig dauert, taugt nichts. Manchmal braucht es Krisen auch, um die Köpfe zu öffnen.» Während der Pandemie war es für die Vitra-Chefin einfacher, klare Regeln vorzugeben. Dabei nutzte sie die Chance, «frischen Wind in die Firma reinzubringen».

Breite Akzeptanz in der Firma als wichtigstes Kriterium bei Veränderungen? Im Gegensatz zum Publikum findet Miriam Baumann, dass dies manchmal überbewertet werde. Als im Läckerli Huus ein grosser Change-Prozess stattgefunden habe, sei dies für die meisten MitarbeiterInnen nicht so wichtig gewesen. «Bei Prozessveränderungen müssen Ziele und Reise, aber nicht jedes Detail bekannt sein», betonte sie.

Agilität statt lange Strategie-Prozesse

Nora Fehlbaum empfiehlt, «statt in mehrjährige Strategie-Prozesse als Orientierung für alle Mitarbeitende lieber in die Agilität der Teams zu investieren».
Tina Müller rät, «ein Unternehmen bzw. Veränderungen nicht mit Angst, sondern mit Mut zu managen.»
Und Miriam Baumann findet es «zwar anstrengend, aber auch schön, mit Freude zu führen, wenn man dabei viel bewegen kann».

Nützliche Empfehlungen vom Experten

Für Ruedi Nützi von der FHNW gibt es genug Konzepte zum Thema Leadership. Auf den Fokus komme es an. Dazu gab er gleich acht Empfehlungen ab. Gute Führung zeige sich vor allem am Tun der Mitarbeitenden. Was zähle sind Zusammenarbeit und Resultate. «Zuversicht und Vertrauen in die Belegschaft fördern wiederum das Entstehen von Innovation.»

Sein Fazit: «Leadership bedeutet vor allem, die Arbeit zum hauptsächlichen Thema zu machen und die Belegschaft darin zu unterstützen und motivieren, Freude an den eigenen Aufgaben zu haben». Führungskräfte sollten dazu die nötigen Handlungsspielräume schaffen, Ziele, Werte sowie positive Energie vermitteln und so den Mitarbeitenden Orientierung geben.

Führung in der Politik

In diesem Sinne handelt auch Regierungsrat Thomi Jourdan als Führungsperson in der Politik. Er möchte «Raum schaffen für Wirksamkeit auf Augenhöhe, in denen die Mitarbeitenden ihre Ideen für marktfähige Lösungen einbringen und mitgestalten können». In einer Leistungskultur setzt er Vision und Ziele mit einer Innovationsforderung an sein Team.

Für Thomi Jourdan ist Leadership «eine nicht delegierbare Verantwortung und Rollenzuteilung, die man annehmen muss für die Zeit, in der man amtet». Wichtig ist, miteinander ein gemeinsames Führungsverständnis zu haben, um Innovationen einzuführen und Prozesse mit allen Mitarbeitenden zu verändern. Dazu brauche es (und pflegt er auch) in seinem Departement Dossier-Sicherheit und Kommunikation: «Gefragt sind Menschen, die Verantwortung übernehmen, wofür sie arbeiten und die dafür auch brennen», bekräftigte er am BAWF 26.

Am Event bekam das Publikum in der sommerlich heissen Walzwerkhalle keine hitzigen Diskussionen, dafür viele Erkenntnisse zum Thema Leadership geboten und konnte dazu sogar mit voten. Und «Visual Music Brainstorming Creator» Martin Villiger vertonte in den Pausen Begriffe wie Angst Freude und Zuversicht gekonnt mit improvisierten Live-Kompositionen am Klavier.

Bericht: Kathrin Cuomo-Sachsse; Fotos: Mimmo


Legende (Bannerfoto oben) v.l.: Thomi Jourdan, Regierungsrat Baselland, Martin Villiger, Komponist/Musiker, Thomas Kübler, Leiter Standortförderung Baselland, Nora Fehlbaum, Vitra, Miriam Baumann, Läckerli Huus, Tina Müller, Weleda, Desirée Lehmann, Moderatorin, Ruedi Nützi, FHNW. 

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