news vom 23.06.26

Eine tragfähige Finanzierung sicherstellen

Soll eine Unternehmensnachfolge gelingen, muss die Finanzplanung frühzeitig ins Auge gefasst werden. Sie ist wichtiger Bestandteil einer langfristigen Vorbereitung. Dazu gehört die sorgfältige Prüfung sowie Bewertung der zu übergebenen bzw. übernehmenden Firma. Weitere Erfolgsfaktoren sind Offenheit, Kommunikation und Vertrauen zwischen den involvierten Parteien. Dies das Fazit an der KMU-HDW-Session mit der Basler Kantonalbank vom 9. Juni im Haus der Wirtschaft in Pratteln. Zusammen mit Vertretern der Bürgschaftsgenossenschaft (BG) Mitte und weiteren Experten wurden anhand praktischer Beispiele aus dem Baselbiet diverse Modelle und Optionen vorgestellt und mit dem Publikum diskutiert.

Das Problem brennt so manchem unter den Nägeln: 11 684 Betriebe in der Nordwestschweiz sind zurzeit ohne geregelte Nachfolge, was 16% der KMU in der gesamten Schweiz entspricht. Die im Auftrag der BKB von Dun & Bradstreet erstellte, letzten Herbst veröffentlichte Studie mit 163 befragten Unter­nehmen illustriert dies.

Region Basel am stärksten betroffen
Dafür, dass die Kantone Baselstadt und Baselland überproportional von der Nachfolge-Problematik betroffen sind, nennt die Studie verschiedene Gründe: «u.a. die überdurchschnittliche Dichte an KMU in Branchen wie wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen, Bau oder verarbeitendem Gewerbe. Diese sind häufig stark auf die Expertise und das Netzwerk der Gründerperson zugeschnitten. Hinzu kommt die demografische Entwicklung. Baselland ist einer der ältesten Kantone mit einem Durchschnittsalter von 45 Jahren.»

Die hauptsächlichen Auslöser für Unternehmensnachfolgen sind denn auch das Erreichen des Pensionsalters und die Zukunftssicherung. Einige Unternehmensinhaber stammen noch von den geburtenstarken Jahrgängen der so genannten «Babyboomer» -Generation.

Rund die Hälfte der abgeschlossenen Nachfolgeregelungen sind laut Studie im Unternehmen erfolgt – entweder durch ein Management-Buyout (25%), also den Verkauf an Mitarbeitende – oder familienintern. Fast 80% der Finanzierungen wurden über Eigenkapital, individuelle Lösungen und Darlehen durchgeführt.

Fünf Jahre einplanen
Genau hier setzte der HDW-Event von der BKB an: «Unternehmensnachfolgen scheitern selten an den Ideen, sondern oftmals an einer tragbaren Finanzierung», so Michael Baumberger. Von Vorteil ist auch, sich frühzeitig mit der Thematik auseinandersetzen und für Vorbereitung sowie Umsetzung und Finanzierung rund fünf Jahre einzuplanen.

«Zuerst sollte allerdings geklärt werden, ob das betreffende Unternehmen überhaupt nachfolgefähig ist. Das heisst, einerseits darf die Abhängigkeit der Firma (z.B. von bereits bestehenden Investoren) für die Abgabe an jemand Anders nicht zu gross sein. Andererseits müssen die Produkte und Dienstleistungen der Firma zukunftsfähig sein und Gewinn abwerfen. Ansonsten sollte man sich eine Liquidation überlegen», rät Baumberger.

Gesunder Mix zwischen Eigen- und Fremdkapital
Wenn der Käufer nicht genügend flüssige Mittel mitbringt, um die Übernahme allein zu stemmen, helfen Finanzierungen durch Dritte. «Hier empfiehlt sich ein Mix von 20 bis zu 40 Prozent Eigenkapital und bis zu 60% Fremdkapital». Das können Darlehen durch Banken oder/und auch durch den Verkäufer sein. (Die Vor- und Nachteilte von Verkäuferdarlehen wurden am Event sehr intensiv mit dem Publikum diskutiert.)

Adrian Hänggi, Leiter Entrepreneurs & Executives bei der BKB, betonte, «dass die gewählte Finanzierungsstruktur immer für den Verkäufer passend und für den Käufer finanziell tragbar sein muss.» (Foto rechts)

Mit Gewinn Schulden abtragen und Firma weiterentwickeln
Baumberger beschrieb die mögliche Struktur einer Finanzierung mittels Akquisitions-Holding. Dabei können Käufer eine Kapitalgesellschaft gründen und so die Übernahme über Bankkredite und Verkäuferdarlehen finanzieren. (Der Kaufbetrag wird abbezahlt, indem die Gewinne von der operativen Tochter an die Holding fliessen.)

«Wichtig ist, dass die Darlehen innerhalb von 5 bis 10 Jahren zurückbezahlt werden», bekräftigt Baumberger. So sollte das Unternehmen ja weiterbestehen und der Gewinn nicht nur dazu genutzt werden, um die Schulden abzutragen, sondern vielmehr auch Investitionen getätigt werden können, um die Firma in dieser Zeit weiterzuentwickeln.

Mit Bürgschaften Lücken überbrücken
Und wenn der Käufer für die Übernahme selbst nicht genügend Geld fürs Eigenkapital aufbringen kann, bieten Bürgschaften eine Zusatzdeckung. Sie verbürgen Bankkredite für KMU. «Wir helfen Lücken zu überbrücken», erklärte Reto Blum, Mitglied der Geschäftsleitung BG Mitte. (Die Bürgschaftsgenossenschaft mit Standorten in neun Kantonen bewilligten 2025 Neubürgschaften in der Höhe von rund 20 Millionen Schweizer Franken. Die mitfinanzierten Projekte lösten ein Investitionsvolumen von gegen 78 Mio CHF aus. Währenddessen vergibt SAFFA Bürgschaften für Kredite ausschliesslich an Gründerinnen und Unternehmerinnen.)

Blum schilderte die Konditionen (Betrag maximal 1 Million CHF und Laufzeit bis zu 10 Jahre, Risikoprämie von 1,25%) sowie Voraussetzungen (wie Businessplan und Bonitätsbeleg, Rückbürgschaft und Todesfallrisiko-Versicherung). Er beschrieb zwei verschiedene Finanzierungs-Varianten anhand eines Transport- und Dienstleistungsunternehmens.

Übernahme oder Neugründung?
Stefan Stöcklin von der gleichnamigen Autowerkstatt in Zwingen freut sich über den erfolgreichen Kauf der ehemaligen Heiwa Carosserie und den «Vertrauensvorschuss» durch die BG Mitte bei der Finanzierung.

Doch nicht immer gelingt die Übernahme eines bestehenden Betriebs. Als sich der geplante Deal zerschlug, wählte Aurelia Saladin einen anderen Weg und gründete 2013 «Sichtart Optik» in Arlesheim: «Mein Businessplan hat die BG Mitte überzeugt – ihre Bürgschaft die Bank.» Damit nicht genug. Auf Expansionskurs übernimmt sie fünf Jahre später wieder mit Hilfe der BG Mitte die Firma des in Rente gehenden Konkurrenten im Dorf.

Gute Dokumentation und regelmässiger Austausch
Dass neben einer sorgfältigen Vorbereitung und gut durchdachten Finanzplanung vor allem auch das Zwischenmenschliche eine tragende Rolle spielt, zeigte sich nicht zuletzt in der Podiums-Diskussion mit renommierten Unternehmern, Finanz- und Nachfolgeexperten.

Dr. Adrian Oberi besitzt mittlerweile Beteiligungen an mehreren Firmen wie der Elektro Mühletaler AG in Münchenstein. Und als Inhaber/VR von «KMU Tomorrow» berät er bei Nachfolgen und wickelt selbst regelmässig Übernahmen ab. Der Multi-Unternehmer kennt den damit verbundenen Aufwand und hat bereits einige «Höhen und Tiefen durchwandert». Dabei war er mit seiner Bank in stetem Austausch.» Er schwört auf eine gute Dokumentation und offene Kommunikation.

Realistischer Verkaufspreis und verlässliche Bank

Tobias Faust, Leiter/VR der Bouldrhalle in Basel, hatte es beim Kauf des fünfjährigen Unternehmens angesichts eines komplexen Geschäfts mit mehreren beteiligten Personen und verschiedenen Finanzierungs-Angeboten zu tun.

Getrieben auch durch den Enthusiasmus des Verkäufers würden Betriebe und Bilanzen oft aufgehübscht und so der Verkaufspreis schöngerechnet. Für ihn sind eine realistische Verkaufsbewertung und die Verlässlichkeit der Bank entscheidend: «Das Vertrauen zur Person vis-à-vis zählt. Im oft langwierigen Findungsprozess muss der Verkaufspreis am Ende für alle involvierten Parteien stimmen. Nachdem sich die Verkäufer bereits (lange) mit dem Wert ihrer Firma auseinandergesetzt haben, müssen sich potenzielle Käufer erst noch ins neue Geschäft eifuchsen», ergänzt er. (Hier sei eine vertiefte Due Diligence durch einen Treuhänder wichtig.)

Mitarbeitende frühzeitig an Bord holen
Die Teilnehmenden waren sich einig, dass eine Übernahme professionell begleitet werden muss und Zeit benötigt. "Erfolgreich sind jene Übergaben, die eine geordnete Übergangsphase mit klarer Rollenverteilung vorsehen und externe Expertise nutzen», so Dr. Adrian Oberli.

Erfolgsentscheidend ist, eine solide Vertrauensbasis zwischen Käufer und Verkäufer sowie den anderen involvierten Parteien aufzubauen. «Dazu gehört, die Belegschaft frühzeitig über das Vorhaben zu informieren und dann schrittweise die Kunden, Lieferanten sowie anderen Anspruchsgruppen mit an Bord zu holen», fasst Michael Baumberger zusammen.

Foto v.l.: Tobias Faust, VR Bouldrhalle Basel, Dr. Adrian Oberi, u.a. Inhaber/VR «KMU Tomorrow», Adrian Hänggi, Leiter E&E BKB, Reto Blum, GL BG Mitte

Bericht und Fotos: Kathrin Cuomo-Sachsse, Redaktion startup baselland

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