story vom 02.08.22

Kaffeeleidenschaft zum Beruf gemacht

Vanía Nzeyimana hat "SOMAHO" mitten in der Corona-Pandemie gegründet – ganz nach dem Motto «Now or never». Mit ihrem in Itingen, Baselland, ansässigen Startup, verkauft sie Spezialitätenkaffee aus ihrer Heimat Ghana direkt an Röstereien in Europa. Ohne Umwege, fair und nachhaltig. Und ist damit eine von ganz wenigen Frauen der Welt, die eine Führungsposition im Kaffeehandel einnehmen. Sie wurde beim Aufbau ihrer Firma von der Startup-Academy gecoacht.

Den «entrepreneurial spirit», also Unternehmergeist, hatte sie schon immer. Vanía Nzeyimana verkaufte bereits als Kind gerne Sachen, zum Beispiel Gutzi vor dem Skilager mit der Schulklasse. Während dem Studium arbeitete sie als Hostesse an Messen und vertrieb dort auch mal Kaffee für einen Social Entrepreneur. Da tauchte sie zum ersten Mal ein in die faszinierende Welt des Kaffees: «Das ist ein so schönes, dankbares Produkt. Es ist ein Stück Alltag, für mich auch ein Stück Zuhause. Die meisten haben positive Assoziationen mit Kaffee,» so die Gründerin von Somaho.

Vom Coaching zur Realisierung
Das Wort Somaho ist ruandisch und heisst übersetzt «Nimm einen Schluck». Vanía Nzeyimana stammt aus Ruanda, dem Kaffee-Anbau-Land schlechthin. Sie wollte schon immer die Brücke schlagen zwischen ihrem Herkunftsland und der Schweiz, wo sie heute lebt. Nach ihrem Jus- und Politikwissenschaftsstudium arbeitete sie jedoch zunächst im öffentlichen Sektor. Nach sechs Jahren hatte sie dann aber Lust auf etwas Neues und entschied sich dazu, ein Coaching mitzumachen, um herauszufinden, in welche Richtung es gehen könnte. Da kam die Kaffee-Idee auf. Als Übung musste Vanía im Rahmen des Coachings direkt einen Plan erstellen, wie die Realisierung eines solchen Kaffee-Business aussehen könnte. Und dabei merkte sie: Das könnte ich ja tatsächlich umsetzen.

Ohne jemandem von ihrer Idee zu erzählen, begann sie dann mit der Recherche. Dabei lernte sie irgendwann ihre heutige Geschäftspartnerin (Furaha) in Ruanda kennen und besuchte sie. Und plötzlich hatte alles Hand und Fuss.

Mitte März 2019 reiste Vanía Nzeyimana nach ihrem Aufenthalt in Ruanda wieder zurück in die Schweiz und wusste: Das will ich machen. Now or never. Eine Woche später kam der Lockdown. Alles über Bord zu werfen, kam für sie aber nicht in Frage: «Ich dachte mir: Entweder kann ich das als Anlass nehmen, es nun doch nicht zu machen. Oder ich versuche es einfach. Im schlimmsten Fall wird nichts draus.»

Mentor an der Seite
Sie entschied sie sich dazu, weiter an ihrer Idee zu feilen und meldete sich dann im Frühjahr 2020 in ihrem damaligen Wohnort Bern fürs Startup Academy-Begleitprogramm an. Rückblickend das für sie der erste richtige Schritt in Richtung Selbständigkeit: «Damit machst du dich vulnerabel. Du erzählst anderen von deiner Geschäftsidee. Das war aber ein sehr bewusster Entscheid.» Und dieser hat sich gelohnt. Vanía Nzeyimana konnte ihr Geschäftsmodell weiterentwickeln und erhielt einen Mentor zur Seite gestellt, zu dem sie bis heute eine super Beziehung hat, wie sie selbst sagt. (Nach zwei Jahren partizipiert sie inzwischen als Alumni vom grossen Netzwerk der Förderorganisation.)

Im 2020 wurde Somaho dann offiziell gegründet und Vanía Nzeyimana begann – mitten in der Pandemie – damit, Rohkaffee aus Ruanda zu importieren und direkt an Röstereien zu verkaufen. Diese rösten den Kaffee und verkaufen ihn weiter oder schenken ihn im eigenen Café aus.

Während der Corona-Krise ein Startup zu gründen, war natürlich nicht immer nur einfach. Gerade die Gastronomie war und ist stark von der Pandemie betroffen. Da damals die meisten Veranstaltungen und Messen abgesagt oder verschoben wurden, war Vanía oft alleine und konnte sich weder mit anderen GründerInnen austauschen noch potentielle Kunden an Kaffeemessen kennen lernen. «Jede Krise meines Lebens war rückblickend sehr wertvoll. Das klingt nun, als wäre ich eine alte Frau – ich bin aber erst über 30,» sagt sie und lacht. «Durch den Start während der Pandemie musste ich Dinge lernen, die ich sowieso irgendwann hätte erfahren müssen. Nun kamen alle Probleme etwas schnell und gleichzeitig. Aber das ist so wertvoll.»

Kunden in der Schweiz und in Deutschland
Dank ihrer positiven Einstellung und ihrem Unternehmergeist konnte Vanía Nzeyimana bereits in der corona-bedingt schwierigen Zeit einige Kunden gewinnen und Beziehungen zu Geschäftspartnern aufbauen. Ihren Spezialitätenkaffee verkauft sie heute an verschiedene Röstereien in der Schweiz und in Deutschland. Auch hat sie mit Çağla and Meagan (Foto rechts) zwei Mitarbeiterinnen, die sie in der Schweiz tatkräftig unterstützen.

Starkes soziales Engagement
Mit Noten von Grapefruit bis hin zu schwarzen Johannisbeeren und Schokolade – ihr Spezialitätenkaffee aus Ruanda zeichnet sich durch seinen einzigartigen Geschmack aus. Sie setzt sich für Nachhaltigkeit bei der Produktion sowie für den Klimaschutz und fairen Handel ein. Ihre Geschäftspartnerin Furaha unterstützt vor Ort die lokalen Kaffeebauerinnen sowie deren Kinder.

Vanía Nzeyimana macht sich für die Gender-Problematik stark: «Im Rohstoffhandel sind Frauen in Führungspositionen und mit einem engen Bezug zum Herstellungsland sehr rar.» Bei Somaho bringt sie als Importeurin zusammen mit ihrem Team und ihrer Kaffeeproduzentin Frauenpower aus Ruanda mit. (Das Land belegt im Übrigen Platz 7 unter den Ländern mit der grössten Geschlechtergleichstellung.)

Fazit: Vanía Nzeyimana hat den Schritt in die Selbständigkeit (inkl. sozialem Engagement) trotz schwieriger Umstände gewagt und würde Gründungsinteressierten raten, es auch einfach zu probieren: «Wenn du eine Idee, Lust und das Gefühl hast, die Zeit sei reif, dann lege los. Die Realität ist sowieso immer anders als deine Pläne es sind. Mit oder ohne Pandemie.»

Quelle: Story von Catherine Riesen, aktualisiert von Kathrin Cuomo-Sachsse, Kommunikation startup baselland.

 

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