Oliver Simon und Jethusan Vasanthakumar haben eine einzigartige Plattform gebaut, die viel mehr kann, als Lehrstellen zwischen Jugendlichen und Unternehmen zu vermitteln. Aus eigener Erfahrung kennen sie das Grundproblem bei der Berufswahl und packen es bei der Wurzel. Beim Aufbau von «futureplace» gingen sie gemeinsam durch Ups und (Lock)Downs und wurden im Gründungsprozess von der Startup Academy begleitet.
Oliver Simon und Jethusan Vasanthakumar haben aus der Not eine Tugend gemacht. Die beiden Freunde aus der Kindheit und Schulzeit entwickelten ihre Geschäftsidee während «Corona». Statt zusammen Fussball zu spielen und sich danach bei einem Bier auszutauschen, «trafen» sie sich während dem 2. Lock Down jeweils freitags zum Brainstorming.
Schnell war die gemeinsame Geschäftsidee geboren. Dazu wurden sie durch ihre eigenen Erlebnisse bei der Berufswahl motiviert. Beide haben u.a. eine kaufmännische Lehre absolviert. «Wenn du nicht weisst, was du werden willst, dann mach das KV», lautet eine bekannte Redewendung.
Das wollten sie als Erste grundlegend ändern und Jugendliche, die keine Lehrstelle, sowie Betriebe, die nicht die nicht richtigen Talente finden, zusammenführen. Und zwar über eine innovative Plattform.
Bei Berufswahl aus dem «Labyrinth» helfen

Als Basismodell sollte zunächst das «Tinder-Matching» dienen. «Zu Beginn handelte es sich bei unserer Idee um eine reine Job-(Vermittlungs-)Plattform. Doch das Grundproblem ist, dass viele Jugendliche gar nicht wissen, was sie machen wollen, weil sie zu wenig über die vorhandenen Berufs- und Ausbildungsmöglichkeiten wissen. Du stehst vor dieser wichtigen Entscheidung nach der Schule, und die Berufswahl fühlt sich nach einem riesigen Labyrinth an», wissen sie aus eigener Erfahrung.
Um Jugendlichen dabei zu helfen, ihre Karrierewege zu entdecken, galt es nun also auch, diesen alle wichtigen Berufs- und Schulinformationen übersichtlich aufbereitet zugänglich zu machen. «Unsere Mission ist es, junge Auszubildende nicht nur effektiv und effizient mit Lehrbetrieben zu verbinden, sondern sie auch bei der Berufswahl zu unterstützen, indem wir diesen ungeachtet ihres Hintergrunds ihre vorhandenen Möglichkeiten aufzeigen.»
Besser informierte und vernetzte Berufswelt schaffen
Dazu gingen sie noch einen Schritt weiter, bauten ihre Plattform aus, entwickelten Tools und eine benutzerfreundliche Oberfläche unter Einsatz modernster (KI-)Technologie. Ihre Vision: eine Bewegung schaffen hin zu einer besser informierten und vernetzten Bildungswelt.
Die Zukunft der Jugendlichen liegt den beiden Jungunternehmern am Herzen. Dazu passend nannten sie ihre Firma «futureplace». Nach einer zweijährigen Entwicklungszeit gründeten sie im Mai 2023 ihre GmbH mit Sitz im Baselbieter Bubendorf und sind seit über einem Jahr auf dem Markt.
Holpriger Weg hin zur eigenen Firma
Doch auf ihrem Weg von Null bis zur eigenen Firma gab es einige Hürden zu nehmen: «Zu wissen, was wir alles an Informationen benötigen, wie wir diese bewerten und auf das Geschäftsmodell adaptieren und dabei verschiedene Varianten ausprobieren. Alles war neu für uns.»

Zudem stiessen sie mit ihrer innovativen Plattform auf Skepsis: «Komm wieder, wenn du eine Referenz hast», hiess es beispielsweise.
Schützenhilfe von der Startup Academy
Während dieser Zeit erhielten sie «Schützenhilfe» von der Startup Academy Baselland. «Moritz Kistenmacher und unsere Mentorin Jasmin Heuberger waren mit ihrer Bereitschaft sowie Vermittlung eine grosse Unterstützung für uns. Der Austausch war sehr transparent, und wir konnten enorm viel mitnehmen.»
Und wie klappt es als Geschäftspartner? «Vom Fussball her sind wir als Team eingespielt und vertrauten auf den perfekten Match. Weil wir uns bzw. unsere Stärken und Grenzen kennen und auch gemeinsam durch schwierige Zeiten gegangen sind, pflegen wir eine offene und direkte Kommunikation.»
Aufgaben nach Kompetenzen aufgeteilt
Mittlerweile tauschen sie sich täglich aus und besprechen jeweils Montagabends ihre Anliegen. Da sie nun wissen, dass sie nicht alles gemeinsam machen können, haben sie ihre Aufgaben gemäss ihren Kompetenzen untereinander aufgeteilt: Jethusan vertritt die Firmen und Oliver die Jugendlichen.
Beide arbeiten noch zusätzlich im Angestelltenverhältnis. So ist Jethusan Vasanthakumar HR-IT-Projektleiter bei der MIGROS und Oliver Simon Sachbearbeiter bei der Ausgleichskasse Baselstadt. Mit den Ups und Downs und der Doppelbelastung klarzukommen bzw. die Balance zu halten, ist eine weitere Challenge für sie.
Stets auf dem neusten technischen Stand
Den Hauptfokus auf die Bildungsqualität der Jugendlichen gerichtet, führen sie mit diesen viele Gespräche und erhalten mittlerweile jede Menge positive Rückmeldungen. Entsprechend den eingehenden Verbesserungsvorschlägen und der wachsenden Nutzerzahl/Kundschaft sind sie dabei, die Funktionen von «futureplace» laufend zu verbessern und die Plattform zu erweitern und skalieren. «Unser Ziel ist, immer für die letzte Generation das perfekte Produkt bereitzustellen und auf die Dynamik der ständigen technischen Veränderungen hin vorausschauend anzupassen.»
Persönlicher Begleitung auf der Website
Für eine nahtlose 24/7-Orientierung in der App führt Chatbot «Sam» gezielt durch ihr Angebot. (Der persönliche Begleiter beantwortet alle Fragen rund um Berufe, Lehrstellen und Firmen.)
Von «top vorbereiteten Jugendlichen» profitieren wiederum die Lehrbetriebe. Sie können gegen einen jährlichen Paketpreis (inklusive Erfolgsprämie) diverse Dienstleistungen (wie Filter und Datenpool) bei der Suche nach geeigneten Kandidaten nutzen.
«Sie wollen wir bei der Nachwuchs-Rekrutierung kräftig unterstützten und solche, die ihre Lehrstelle(n) 2025 noch nicht besetzen konnten, vermehrt im neuen Jahr angehen.»
Weitere Zielsegmente von futureplace sind Eltern und Erziehungsberechtigte sowie Berufsverbände.
Über alle Kanäle Kunden gewinnen
Als Oliver Simon und Jethusan Vasanthakumar an den Start gingen, planten sie, in der Nordwestschweiz eine Basis für die Jugendlichen aufzubauen und allmählich Lehrlingsbetriebe zu akquirieren. Dazu haben sie zuerst bei den Schulen angeklopft und diverse Gespräche mit Institutionen und Behörden im Baselbiet geführt. Auf den Social Media, vor allem Instagram und Tiktok, sind sie sehr aktiv und haben viel beachtete Videos mit Befragungen von Jugendlichen auf der Strasse gepostet.
Mittlerweile nutzen mehrere Hundert Jungendliche und einige Firmen ihre Plattform, und es haben sich allein im Dezember zwischen beiden Seiten rund 80 Matches ergeben.
Zur Gewinnung neuer Kunden war für sie die Berufsschau der Wirtschaftskammer Baselland ein Riesenerfolg. Mit ihrer Teilnahme an der Messe in Basel konnten sie an diesen fünf Tagen rund 700 Jugendliche und 250 Eltern erreichen und sehr viele positive Erfahrungen sammeln.
Mit Swiss HR Award 25 ausgezeichnet
Stolz sind sie darauf, dass futureplace beim Swiss HR Award in der Kategorie Start-up ausgezeichnet wurde. «In einer Welt, die oft von Hektik und Überforderung geprägt ist, widmen sich die beiden Unternehmer jungen Menschen – dies mit einer bewundernswerten Sensibilität und einem tiefen Verständnis für deren Verhalten und Bedürfnisse», würdigte die Jury ihren Ansatz.
Bericht: Kathrin Cuomo-Sachsse, Redaktion startup baselland; Fotos: HR Swiss Awards David Biedert / HR FESTIVAL und futureplace