Die Swissbau Startup Challenge fand Ende Januar 2026 zum dritten Mal statt. Der Kooperations-Event zwischen der Startup Academy und der Swissbau in Basel (u.a. von der Standortförderung Baselland unterstützt) fördert Jungunternehmen aus der Bau- und Immobilienbranche. Dieses Jahr lag der Fokus auf dem Thema Kreislaufwirtschaft. Die Lösungen der drei Gewinner, TALPA Inspection, Benetics AI und Impact Build, tragen denn auch entscheidend zur Nachhaltigkeit bei. Letzterer wurde ausserdem mit dem erstmals durch BaselCircular verliehenen «Circular Award» ausgezeichnet. Mit bisher insgesamt 70 teilnehmenden Startups, darunter auch zukunftsweisende Jungunternehmen aus der Region, hat sich die Challenge zu einer der «zentralen Innovations-Plattformen dieser Branche in der Schweiz entwickelt», betont Projektleiter Moritz Kistenmacher, Präsident der Startup Academy Schweiz.
Wo das Auge hinsah, bot die grösste Schweizer Bau- und Immobilienmess in Basel auch 2026 spannende Innovationen. Der Fokus lag dieses Jahr deutlich auf Kreislaufwirtschaft bzw. Nachhaltigkeit. Besonders viele praktische Lösungen, neue Ansätze, Produkte und Technologien dazu – darunter einige Premieren – gab es an den Ständen der Swissbau Lab zu entdecken und auszuprobieren. Dort, im Speakers’ Corner und auf der Main Stage, pitchten die sieben Finalisten ein letztes Mal vor der 35-köpfigen Fachjury und einem breiten Messepublikum mit über 300 Gästen.
Korrosionsschäden in Betonbauten früh erkennen
Talpa Inspection war schon 2024 in der Endrunde mit dabei und sicherte sich an der diesjährigen Swissbau Startup Challenge den ersten Platz. Das Spin-off der ETH Zürich entwickelt und verkauft «berührungslose Sensoren für Drohnen und Robotik, um unsichtbare, aber kritische Korrosionsschäden in Stahlbetonbauwerken wie Brücken frühzeitig zu erkennen. Das erhöht die Sicherheit und ermöglicht gezielte, ressourcenschonende und nachhaltigere Instandsetzungen» (Foto unten links).

Erster KI-Sprachassistent für die Baustelle
Benetics AI, der zweite Award-Gewinner, ist «Erfinder des ersten KI-Sprachassistenten für die Baustelle». Das Startup aus Basel präsentierte auf der Swissbau eine weitere «Weltneuheit» und überzeugte die Jury mit dem Benetics KI-E-Mail Assistenten. Dieser "erkennt Baupläne in Outlook-Anhängen, analysiert sie und weist aktualisierte Planstände automatisch allen Ausführenden auf der Baustelle zu. Das reduziert den Aufwand und teure Fehlerquellen im Baualltag" (Foto Mitte).
Robotergestützte Produktion mit CO₂-armen Materialien
Der Drittplatzierte, Impact Build, wurde mit dem Circular-Award gleich zweifach ausgezeichnet. Das Spin-off der ETH Zürich stellte ein „neuartiges robotergestütztes 3D-Druckverfahren für industrialisiertes, zirkuläres Bauen mit CO₂-reduzierten, weltweit lokal verfügbaren Materialien" vor. „Der kombinierte Ansatz ermöglicht die Entwicklung neuer Bauprodukte, die nachhaltig und preislich konkurrenzfähig sind", so die beiden Co-Founder, Lauren Vasey und Kunaljit Chadha. Das Startup peilt als nächstes den "180-Milliarden-Dollar-Vorfertigungsmarkt mit massenhaft anpassbaren, kohlenstoffarmen, feuerfesten und akustisch isolierten Wänden" an (Foto rechts).
Nachhaltig erfolgreiche Baselbieter Startups
Unter den insgesamt 70 Startups aus der Bau- und Immobilienbranche, die bisher direkt an der Challenge teilgenommen haben, befinden sich auch einige vielversprechende Jungunternehmen aus dem Baselbiet.
Im Innovationslab stellte dieses Jahr etwa Luucy, u.a. mit Sitz in Münchenstein, ihre "interaktive 3D-Plattform für die Schweizer Raum- und Immobilienentwicklung" vor. Als digitaler 3D-Zwilling bietet das Jungunternehmen dazu umfangreiche Daten, Werkzeuge und Simulationen an und rangierte damit 2022 an der ersten Challenge an dritter Stelle.
Lösungen für optimiertes Energie-Management
Als nachhaltig erfolgreich erweist sich auch das vor sechs Jahren zweitplatzierte Startup. Sun2wheel sorgte damals mit dem ersten "intelligenten bidirektionales Lade- und Speichersystem" (dank dem sich über Elektroautos der Haushalt mit Strom versorgen lässt) für Furore. Die 2020 gegründete Firma "verbindet PV-Anlagen, Speicher sowie E-Mobilität zu einem integrierten Energieökosystem. Ihre Plattform optimiert Eigenverbrauch und Lastmanagement und ermöglicht gleichzeitig die Vermarktung von Flexibilität in virtuellen Kraftwerken. Dank der neuen Software lassen sich neu auch mittelgrosse und künftig kleinere Anlagen von Einfamilienhäusern einbinden."
Unter den Bewerbern, die es 2026 in die Vorrunde schafften, befand sich B2B Solar. "Das Baselbieter Startup realisiert skalierbare Photovoltaik-Anlagen auf Gewerbeflächen – sowohl auf Dächern als auch an Fassaden – dank Contracting-Modell ohne Investitionen für Eigentümer." Ziel ist, "bestehende Flächen effizient für die Energieproduktion zu nutzen und zu zeigen, dass Photovoltaik nicht nur wirtschaftlich, sondern auch architektonisch integrierbar ist", schreibt das Startup.
«Harter, mehrstufiger Auswahlprozess»
Die Teilnehmenden der Swissbau Startup Challenge werden im Vorfeld im Programm von der Startup Academy begleitet und durchlaufen verschiedene Selektionsstufen. In drei Jahren haben laut Moritz Kistenmacher insgesamt 140 Startups an 9 Pitching-Runden mitgemacht und sich dabei den 35 ExpertInnen der Fachjury präsentiert, an zahlreichen Workshops sowie Brownbags und mehreren grossen Netzwerkanlässen mit Partnern und Branchen-Profis teilgenommen.
"Wer es durch den harten, mehrstufigen Auswahlprozess bis auf die Bühne geschafft hat, ist bereits ein Gewinner", so einer der diesjährigen Finalisten. Alle Teilnehmenden haben auch dank ihrer Auftritte an der Messe merklich an Sichtbarkeit gewonnen.
"Was als Idee begann, ist heute eine der zentralen Plattformen für Innovation in der Bau- und Immobilienbranche in der Schweiz geworden. Alle Beteiligten - von den Startups über die Experten und Partner bis zum Publikum - machen dies möglich. Innovation entsteht im Netzwerk", zieht Moritz Kistenmacher, auch Geschäftsführer der Startup Academy Baselland, stolz Bilanz.
"Baubranche braucht Zukunftskraft der Startups"
Jeden Tag müsse die Baubranche "ihre Innovationskraft für die Realisierung künftiger Geschäftsmodelle in einem sich ständig ändernden Umfeld beweisen. Dazu brauche es die Startups so dringend", betonte Regierungsrat Kaspar Sutter an der Challenge. (Baselstadt war erstmals mit der Verleihung des "Circular Award" durch BaselCircular aktiv beteiligt.)
Jungunternehmen als «Treiber der Wirtschaftskraft»
Baselland unterstützt die Challenge zum dritten Mal in Folge. Thomas Kübler, Leiter der hiesigen Standortförderung, sprach von "Jungunternehmen als Treiber der Wirtschaftskraft unserer Region und von der Bedeutung der Nachhaltigkeit".

Baselland und Baselstadt betreiben zusammen mit dem Kanton Jura gemeinsam Innovations-Förderung.
Weiter schilderte Thomas Kübler die Massnahmen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen und Steigerung der Standortattraktivität – angefangen bei der Gründungs-Förder-Initiative "startup baselland" bis hin zu Projekten mit Fokus auf Themen wie Kreislaufwirtschaft im Rahmen der "Neuen Regionalpolitik" (NRP).
Bericht (inkl. Fotos): Kathrin Cuomo-Sachsse, Redaktion startup baselland