news vom 07.02.24

“Seid mutig und denkt gross”

Was ist bei der Gründung einer Firma alles zu beachten? Ticken hier weibliche Unternehmerinnen anders als ihre männlichen Pendants? Am Infoanlass vom 30. Januar, der sich exklusiv an Frauen richtete, die erwägen sich selbständig zu machen, erfuhren gegen 30 Teilnehmerinnen mehr zum Thema. Im Rahmen ihrer neuen Event-Reihe "Simply Business" veranstaltete das Haus der Wirtschaft (HdW) zusammen mit der Stiftug Business Park Baselland und der Basler Kantonalbank in Pratteln einen spannenden Abend – mit viel fachlichem und praktischem Input: Olivia Zurbuchen von der BKB und Andrea Theunert von der SAFFA Bürgschaftsgenossenschaft äusserten sich zu den finanziellen Aspekten; Marcel Zumkemi vom Business Park Baselland erläuterte das strukturierte Vorgehen; Laura Küng, Inhaberin vom gleichnamigen Malergeschäft, sowie Nadia Breitenstein, Gründerin der Personalvermittlungs-Agentur Breitenstein Works, schilderten ihre Erfahrungen und ermunterten das Publikum, es ihnen gleichzutun.

Laura Küng kommt ursprünglich aus der Gastronomie. Als der Nachfolger des Malergeschäfts ihres Vaters (Karl Küng GmbH) absprang, übernahm sie kurzerhand den Betrieb in Binnigen: «Mich reizte es auch, in eine männliche Domäne (quer-)einzusteigen.» Dabei war es nicht immer einfach, in die Fussstapfen des Vaters zu treten, der sie dabei tatkräftig unterstützte. Heute sind sie und ihr Team mit zwei Mitarbeiterinnen und einer Lehrlingstochter besonders geschätzt für ihr kompetentes und sauberes Arbeiten und ihre freundliche, vertrauenswürdige Art. «Es gibt Kunden, die überlassen uns ihren Hausschlüssel, damit wir den Auftrag während ihrer Ferien ausführen», erzählt sie stolz.

Sprung ins kalte Wasser

Auch Nadia Breitenstein wagte den Sprung ins kalte Wasser. Vor zwei Jahren gründete sie die regionale Personalvermittlungs-Firma in Laufen. Mit Breitenstein Works bietet sie Stellen Suchenden und Firmen branchen-übergreifend ihr breites Netzwerk an und stellt «nachhaltig die richtigen Kontakte her». Sie zog die Firmengründung (seit Finalisierung des Businessplans 2021) in wenigen Monaten durch. Von der Bürosuche und Buchhaltung bis zur Kundenakquisition hat sie alles im Alleingang gemacht. Mit Erfolg. Vor kurzem stellte sie ihre dritte Mitarbeiterin ein. «Zu viert ergänzen wir uns prima, arbeiten zielorientiert und effizient», freut sie sich.
Neben Professionalität ist Passion ebenso wichtig. Beide Jungunternehmerinnen leben leidenschaftlich für ihre Firma (auch privat): Selbst Laura Küngs Pferd «trägt» beim Ausritt sichtbar das Firmen-Logo, und Nadia Breitenstein erzählt bei jeder Gelegenheit von ihrem Unternehmen.

«Planung ist die halbe Miete»

Die frisch gebackenen Firmeninhaberinnen haben sich sorgfältig auf die Gründung bzw. Übernahme und den Aufbau ihres Geschäfts vorbereitet. Sie wurden dabei vom Business Park Baselland unterstützt.  Geschäftsführer, Marcel Zumkemi, erläuterte am Anlass die verschiedenen Gründungsphasen mit ihren jeweiligen Herausforderungen – von der Abklärung der Kundenbedürfnisse und Festlegung der Zielsegmente bis zur Überprüfung der Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit der Geschäftsidee.
Er riet, «von Beginn an die engsten Familienmitglieder einzuweihen und die eigenen Kompetenzen zu checken» und betonte: «Eine durchdachte und strukturierte Planung ist bereits die halbe Miete.» Dazu sei ein guter Businessplan kein ‘Schubladentiger’, sondern solle wie das Budget immer wieder adjustiert bzw. angepasst werden.

«Fragt nach finanziellen Mitteln!»

Bei der Finanzierung der eigenen Firma gehen die beiden Geschlechter unterschiedlich vor: «Frauen scheuen oft das Risiko und halten den Anteil Fremdkapital klein. Sie bitten dann lieber Familie und Freunde um Geld. Denkt doch bitte so gross wie viele Männer und fragt (uns) nach finanziellen Mitteln», appellierte Olivia Zurbuchen von der BKB ans weibliche Publikum.  So erhalte jede(r) auch noch so schüchterne Antragstellende bei der Bank einen Kredit, wenn das Geschäftsmodell (mitsamt Business- und Finanz- bzw. Liquiditätsplan) überzeugt. Die Basler Kantonalbank begleitet Firmenkunden mit einem Leistungs-Programm – angefangen beim Startup – in jeder Lebensphase.

Und wenn sich der Finanzierungsbedarf nicht allein durch die Bank abdecken lässt, werden die BG Mitte oder Saffa beigezogen.

Die beiden vom Bund geförderten Bürgschaftsgenossenschaften «leisten dem Finanzinstitut in Form einer Bürgschaft Sicherheit und ermöglichen Unternehmerinnen den Zugang zu Krediten mit attraktiven Konditionen».

SAFFA schon Tausende Kredite für Frauen verbürgt

SAFFA ist aus dem Erlös der ersten Schweizerischen Ausstellung für Frauenarbeit 1931 entstanden. Seither wurden mit dem «Selbsthilfeprojekt» (von Frauen für Frauen) schon gegen 3000 Firmengründerinnen mit Startkapital versorgt. Gemäss ihrer Geschäftsführerin, Andrea Theunert, «ist von Frauen betriebenes Business meist hochkreativ und Empathie-bezogen, jedoch vom Budget her in der Regel kleiner als bei Männern». Auch sie ermahnte angehende Unternehmerinnen am Event zu mehr Mut: «Glaubt an euch, und plant euren Lohn mit ein».

Nach der Gründungsfinanzierung gilt es, Aufwand/Kosten und Einnahmen genau im Auge zu behalten. «Konzentriere dich auf deine Kernkompetenzen und stecke dort Energie rein, wo du auch effektiv Geld verdienst», riet Nadia Breitenstein den Teilnehmerinnen. So sei es manchmal sehr ernüchternd festzustellen, wenn viel geleistete Arbeit nur wenig Ertrag abwerfe.

Herausforderungen sofort angehen

Angesichts der Herausforderungen, die eine Firmengründung mit sich bringen kann, empfiehlt Laura Küng positives Denken. Bei Unsicherheiten schlägt Nadia Breitenstein immer eine Vorwärts-Strategie ein und nimmt Problemstellungen möglichst schnell in Angriff. Marcel Zumkemi, der selbst Unternehmer ist, rät, «stets das Planbare zu machen, (damit nicht alles über einem zusammenstürzt).»
Der exklusiv auf Frauen ausgerichtete Anlass – locker und lebhaft moderiert von Matthias Welti, HdW, und Filippo Muscara, BKB – kam beim Publikum sehr gut an. Die Teilnehmerinnen tauten zusehends auf und stellten viele Fragen.

Finaler Kick für die Firmengründung

Vor allem die beiden praktischen Beispiele haben Mut gemacht. So Manche wurde inspiriert, ja bekam sogar den finalen Kick, sich selbständig zu machen. Zwei befragte Frauen ziehen ihren bereits entworfenen Businessplan wieder aus der Schublade. Nun sind sie endgültig entschlossen, ihre eigene Firma zu gründen, und haben für die nächsten Schritte mit Marcel Zumkemi einen Beratungstermin vereinbart.

   

Bericht: Kathrin Cuomo-Sachsse (KCS), Kommunikation startup baselland; Fotos: HdW und KCS

Banner-Foto oben (v.l.): Matthias Welti, Andrea Theunert, Laura Küng, Olivia Zurbuchen, Nadia Breitenstein, Marcel Zumkemi und Michael Baumberger, BKB.

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